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The Picture of my Fantasy


Es ist jetzt drei Jahre her, als ich nach der Trennung meiner damaligen Frau in die Vater Kinder Kur gefahren bin. Ich war dort, mit meinen beiden Kindern, der einzige Mann, der nicht in Begleitung seiner Frau da war. Allein die positiven Erfahrungen aus der Kur wären einen eigenen Beitrag wert. Ich möchte aber heute ganz speziell auf eine Situation eingehen, die der absolute Hammer ist.

Bahnhof Diez 2016


Ich war mit 6 Damen für ein paar Stunden Kunsttherapie eingeteilt. Uns wurde in der Einführung gesagt, dass wir etwas, das in unserer Fantasie ist, aufmalen sollten. Ich überlegte einen Moment und fing schließlich zu malen an. Ich male gerne, somit fiel es mir sehr leicht eine Landschaft irgendwo in Skandinavien zu malen, die ich schon immer mal Bewandern wollte. Ich hatte ein Bild von einem langen Holzsteg vor Augen, der durch eine sumpfige Landschaft mit verschieden hohen Gräsern führt. Ich hatte so ein ähnliches Foto ein paar Monate zuvor in einem Abenteuer Magazin gesehen und dachte, dass ich gern einmal dort wäre.

The Picture of my Fantasy

Ich hatte nun eine dreiviertel Stunde Zeit dieses Bild zu malen. Sehr detailliert malte ich immer wieder etwas dazu und verschwand nach und nach gedanklich in dieser Landschaft. Nachdem die Zeit verstrichen war, sollten wir alle unsere Bilder vorstellen. Die erste Dame erzählte etwas über ihr Bild und war sichtlich emotional gerührt als sie uns sagte, was sie mit ihrem Bild ausdrücken möchte. Bei der zweiten war es sehr ähnlich. Ein paar Tränen kullerten ihr die Wange herunter, als sie über ihr Bild sprach. Anschließend war ich an der Reihe. Ich war sehr mit dem Bild verbunden, als ich langsam und sehr vorsichtig über den Inhalt des Bildes berichtete. Nachdem ich ausgesprochen hatte, was ich mit diesem Bild verbinde, gab es kein Halten mehr, ich heulte wie ein Schlosshund und es fiel mir schwer mich wieder einzukriegen. Ich hatte doch einen Traum von Freiheit und wollte durch die Welt streifen, sie erleben und entdecken. Stattdessen stand ich nun da mit meinen beiden Kindern, 2 und 6 Jahre alt, die mit mir nach Kleinenglis gezogen waren, ohne Arbeit und ohne Perspektive, zum Teil sehr verzweifelt und weit weg von der Möglichkeit so ein Bild in der Realität zu sehen!


Es vergingen zunächst einige Jahre, als ich mich im April dieses Jahres für 14 Tage auf den Goldsteig gemacht habe. Ich wollte die 661 km am Stück durchlaufen. Mein Ziel dabei war innerlich nicht so ganz klar definiert wie ich es nach außen dargestellt hatte. Ich wusste nur, dass ich es extrem angehen muss, um etwas über mich zu erfahren.


Am dritten Tag traf ich am Arber auf einen Skifahrer, der mir davon abriet, am nächsten Tag über die dann anstehenden Gipfel zu laufen. Ich war enttäuscht, dass ich mein Vorhaben nicht so umsetzen konnte wie ich es geplant hatte. Ich startete am kommenden Tag auf eine, von mir am Abend zuvor geplante Ausweichroute, die anfangs nicht so toll zu laufen war und mich echt genervt hatte.

Es war halt nur eine Ersatzstecke… Am frühen Nachmittag, durchquerte ich eine Ortschaft und lief an einem kleinen Bach entlang in ein Tal. Dieses Tal öffnete sich immer weiter und ging über in eine Auenlandschaft. Nach ein paar hundert Metern, kam immer mehr Schilf hinzu. Der gräserbewachsene Boden wurde nässer und schließlich, nach einer Kurve, durch einen Steg überdacht. Ich lief auf dem Steg und schaute in die Ferne. Ich konnte das Ende der Holzplanken nicht erkennen.

Goldsteig 2019

Es war ein einmaliges Bild was mir in diesem Moment ein wahnsinniges Glücksgefühl beschert hat. Ich blieb stehen, machte Bilder und genoss den Anblick, ich lief weiter blieb erneut stehen und schaute mich nochmals um. Es war einfach wunderschön. Es hat mich enorm berührt, nur war mir das in diesem Moment nicht richtig bewusst, was da eigentlich geschehen war.

Goldsteig 2019


Vor ein paar Tagen, 6 Wochen nach dem Ereignis, habe ich jemanden über meine Erfahrungen in der Kur erzählt. Ich wollte ihm Mut machen, da mir persönlich meine Kur sehr viel gegeben hat. Als ich ihm von der Kunsttherapie erzählte, wurde mir plötzlich alles klar! Ich habe mein Traumbild, welches ich in der Kur malte, auf dem Goldsteig erlebt. Hier war ich, ich war mit mir und ich war bei mir, natürlich gedanklich auch immer bei meinen Kindern, die bei Ihrer Mutter Ferien machten.

Goldsteig 2019

Nachdem Gespräch fiel mir auf, dass ich in der Zeit -bis heute- nicht nur ein Bild meiner Fantasie verwirklicht habe, sondern enorm viel mehr. Ich muss feststellen, dass sich Umwege und Alternativrouten oft erst einmal komisch und fremd anfühlen, weil man seinen geplanten Weg verlassen muss, aber sie sind anscheinend notwendig, um wundervolle Dinge zu entdecken. Es ist wichtig, sie zu beschreiten, weil sie uns zu etwas Neuem bringen können und uns die Möglichkeit geben, Wege, die unser Leben in Gefahr bringen, zu verlassen.

Heute

Lebe Deine Fantasie und Deine Träume, sei offen für Dich selbst, sei mutig und nicht verdrossen, auch wenn der Anfang eines neuen Weges erst einmal anstrengend ist – Irgendwann wird alles gut und Du bist mit Deiner Fantasie in Deiner Realität.

Markus – be natural –

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